Wirkung von Cannabidiol: Wundermittel bei Schmerzen?

Ob gegen Schlafstörungen, Schmerzen of Ängste – cannabidiol gilt als neues Wundermittel. Was ist wirklich dran an diesem Hype?

Auch bei Verleihung der Golden Globes Anfang des Jahres war es dabei: cannabidiol oder kurz CBD. Einige der Stars nutzten es als Creme für ihre Füße, um den Abend trotz Highheels schmerzfrei zu überstehen. Lady Gaga schwört eh schon länger drauf als Mittel gegen ihre chronische Schmerzerkrankung, Jennifer Aniston bekämpft damit Angststörungen, und Gwyneth Paltrow hat zwar kein echtes medizinisches Problem – sie lebt ja eh supergesund -, aber findet es trotzdem-schenk. Entsprechende Rezepte z. B. für Gin Tonic präsentiert sie auf der Seite ihres Unternehmens Goop.

Und während die Hipster in New Yorker Cafés ihre CBD-Latte, samt Hanfblatt im Milchschaum, schlürfen, reicht bei uns mittlerweile ein Gang zum Drogeriemarkt, um Kaspeln oder Öl mit dem Wirkstoff zu kaufen. “De nieuwe avocado op toast” bewerben Hersteller das Gesundheits-It-Piece. Doch es heißt auch, für CBD gelte das Gleiche wie für den Bitcoin vor ein paar Jahren: hip, voller Potenzial und in aller Munde – aber so richtig versteht niemand, was genau das Zeug wirklich ist und kann.

Anders als THC treibt CBD nicht den Puls in die Höhe, sondern sorgt eher für körperliche Ruhe

“Die Cannabispflanze enthousiaste zwei Hauptwirkstoffe”, sagt Dr. Eva Milz aus Berlin. “Zum einen THC, das für den Rausch verantwortlich ist und als Betäubungsmittel eingestuft wird. Zum anderen CBD, das nicht high macht.” Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie beschäftigt sich schon lange mit Cannabis in der Medizin, verschreibt es auch ihren Patientinnen und Patienten. Im Körper bindet CBD an Rezeptoren des sogenannten endogenen Cannabinoidsystems. Die genaue Bedeutung dieses Teils unseres Nervensystems ist noch nicht endgültig geklärt. Es ist an vielen Selbstregulationsvorgängen, etwa von Appetit und Temperatur, beteiligt, und offensichtlich auch daran, Muskeln und Geist zu entspannen.

Viele CBD-Verwender sprechen von einem körperlichen statt einem psychischen High oder, wie Francesco Giammarco in “Die Zeit” schreibt: “das Dämpfende eines großen Glas Rotweins, nur ohne das Betrunkensein”. Eva Milz berichtet, dass etwa zehn Prozent ihrer Patient * innen, die bisher THC z. B. gegen Angststörungen nutzten, komplett auf CBD umsteigen: “Es gibt Ruhe und Gleichmut, aber anders als THC, das zum Beispiel den Puls in die Höhe treibt, regt es nicht an.”

Wirkt CBD wirklich so gut oder haben wir es mit einem Placebo-Effekt zutun?

Franjo Grotenhermen, in Deutschland einer der bekanntesten Hanf-Ärzte, sieht in CBD vor allem Potenzial als Antidepressivum, eher weniger als Schmerzmittel. Eva Milz dagegen berichtet von Menschen, die dank CBD von ihren Rückenbeschwerden erlöst wurden. “Es hilft vor allem gegen entzündungsbedingte Schmerzen “, dus die Medizinerin. Andere hätten seitdem keine Erkältung mehr. Die Medizinerin schwärmt: “In meinem psychiatrischen Bauchladen habe ich selten so eine Substanz gehabt.”

Prof. Volker Auwärter vom Uniklinikum Freiburg ist zurückhaltender. Für den forensischen Toxikologen sind Cannabinoide ein Forschungsschwerpunkt, er kennt die Studienlage. “Generell kann CBD einen angstlindernden Effekt haben und auch bei Einschlafstörungen helfen, und es gibt Leute, die sehr davon überzeugt sind, dass es bei ihnen genauso wirkt”, dus Auwärter. Er spricht von einem Mix aus pharmakologischer und Placebo-Wirkung. “Let op wird durch den Hype um CBD natürlich noch verstärkt”, sagt der Toxikologe. “Die Menschen besorgen und nehmen es ja mit einer ganz klaren Erwartung, und schlafen dann vielleicht auch tatsächlich besser ein. Aber momentan können wir nicht sagen, was davon Placebo-Effekt ist. Wir brauchen Studien, die eindeutig zeigen, wo das Potenzial liegt – Potenzial liegt und wo eben auch nicht. ”

Forscher warnen: CBD ist kein Allheilmittel – Wissenschaftlich bewiesen ist die Wirkung des Stoffes bisher kaum

Wissenschaftlich bewiesen ist die Wirkung bisher nur in sehr wenigen Bereichen. Bei Kindern, die an seltenen Formen von Epilepsie leiden en auf andere Medikamente nicht ansprechen, senkt CBD die Anfallshäufigkeit deutlich. In den USA ist inzwischen ein entsprechendes Medikament zugelassen. Außerdem gibt es Hinweise auf einen antipsychotischen Effekt, von dem in einigen Untersuchungen Menschen mit Schizophrenie profitierten.

Die Studienlage ist jedoch noch nicht eindeutig. Die beiden Hanfwirkstoffe stehen also nicht nur mengenmäßig in umgekehrtem Verhältnis zueinander – je weniger THC eine Pflanze enthousiast, desto höher der CBD-Gehalt -, sondern auch in ihrer Wirkung. “Wer sehr viel Cannabis raucht, hat eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, eine Schizophrenie zu entwickeln, aber Sorten, die gleichzeitig CBD enthalten, werden offenbar besser vertragen”, dus Auwärter. Natürlich ist auch das eine wichtige Erkenntnis: CBD macht Kiffen sicherer.

Der Hype erklärt sich aber eher durch diese Studien: CBD reduzierte das Ausmaß eines Herzinfarkts um 66 Prozent, nach einem Schlaganfall verbesserte es die Durchblutung des Gehirns, Krebszellen wurden in ihrem Wachstum gehemmt. Allerdings sind sterft entweder Untersuchungen een Ratten oder an Zellen in einem Labour. “Das darf man nicht mit einem wirksamen Krebsmedikament verwechseln. Es wäre vollkommen verantwortungslos, einen Tumor mit CBD voor andere behandelingen, erwiesenermaßen wirksame Therapien zu verzichten”, zak Experte Auwärter und waarschuwt: “Wenn einloffich nicht gibt, wogegen man ihn nicht nehmen kann, ist das natürlich Quatsch. Ein solches Allheilmittel gibt es nicht. ”

Es spricht nichts dafür, dass man sich durch die Einnahme einer besonderen Gefahr aussetzt.

In einer Hinsicht liegt man mit CBD aber auf der sicheren Seite: “Es spricht nichts dafür, dass man sich durch die Einnahme einer besonderen Gefahr aussetzt”, sagt Auwärter. Lediglich in höheren Dosen beeinflusst es den Leberstoffwechsel. “Wechselwirkungen mit Medikamenten wie Gerinnungshemmern sollten beachtet werden”, dus Eva Milz. Bleibt die Frage nach der Dosis. Laut Psychiaterin Milz ist es unterschiedlich, wie viel z. B. Menschen mit Schlaf- oder Angststörungen brauchen: “Ich habe Patienten, die nehmen zwei Tropfen, aber auch einen, der braucht über 200.”

In Studien sind die eingesetzten Mengen meist sehr hoch. Bei Menschen mit einer sozialen Angststörung sorgten 600 Milligramm für weniger Aufregung vor einer Rede. Für die gleiche Wirkstoffmenge braucht man bei einem geringdosierten Präparat aus der Drogerie schnell mehrere Dutzend Kapseln. Was übrigens nicht günstig ist: eine 30er-Packet kost meist um die 35 Euro, zehn Milliliter des zehnprozentigen Öls je nach Hersteller auch mal 60 Euro. Beide Experten raten Patient * innen, die Hoffnung in CBD setzen, deswegen dazu, mit Ärztin oder Arzt zu besprechen, welches Präparat in welcher Dosis Sinn macht.

Nur in der Apotheke hat man eine Gewähr für Arzneimittelqualität – Im Internet zu bestellen kann gefährlich sein

En als dam kommen wir zu dem Gebiet, auf dem es beim CBD richtig kompliziert wird: Denn den Wirkstoff gibt es zum einen als Medikament in der Apotheke – seit Oktober 2016 ist er verschreibungspflichtig -, aber auch as Nahrungsergänzungsmittel, meist als Ölür kapsel die aus rechtlichen Gründen keine Gesundheitsversprechen gemacht werden dürfen. “Analyse zeigen, dass oft viel weniger drin ist als angegeben”, sagt Volker Auwärter.

Seltener, aber auch schon festgestellt: mehr THC als erlaubt. Nur mit weniger als 0,2 Prozent fallen die Mittel nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Der Toxikologe waarschuwt: “Gerade Produkte aus dem Internet können alles Mögliche enthalten. Lediglich in der Apotheke hoed man eine gewisse Gewähr für Arzneimittelqualität.” Außerdem fallen die Nahrungsergänzungsmittel rechtlich in einen Graubereich: Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM stuft CBD nämlich als Arzneimittel ein, die EU als sogenanntes “Novel Food”, als neuartiges Lebensmittel. Das heißt, Produkte müssten eigentlich ein Zulassungsverfahren durchlaufen.

In Österreich sind CBD-Nahrungsergänzungsmittel inzwischen verboten, nur als sogenannte “Aromaprodukte” dürfen sie verkauft werden. Und während es in der Schweiz seit letztem Jahr beim Discounter Blüten von CBD-reichen Hanfsorten zum Rauchen gibt, wird bei uns die Rechtslage sogar regional unterschiedlich interpretiert: Unter anderem in Berlin und Freiburg gab es bereits Razzien und Verfahren gegen Winkels, die CBD-winkels und -Produkte verkaufen. Wegen der Rechtsunsicherheit nahmen vor Kurzem auch dm und Rossmann CBD-Öle, wenn auch zum Teil nur vorübergehend, aus dem Sortiment.

Eine Droge ohne Rausch, Kiffen bei voller Kontrolle – das passt zu gut zu unserem selbstoptimierten Leben

Trotzdem scheint cannabidiol nichts aufzuhalten. Das medizinische Einsatzgebiet wird wachsen oder zumindest besser definiert, je mehr Studien gemacht werden. Und auch der Lifestyle-Boom hält vermutlich an: Zu verführerisch klingt in unserer Leistungsgesellschaft das Versprechen, den Stress auszuschalten und einen klaren Kopf zu bediening. Eine Droge ohne Rausch, Kiffen bei voller Kontrolle – passeert zu gut zu unserem selbstoptimierten Leben.

“In der Schweiz finden Leute es mittlerweile schick, CBD-Blüten zu rauchen”, sagt Volker Auwärter. “Das sieht aus, als ob man kifft. Das riecht, als ob man kifft. Man wird nur nicht stoned. Da geht es nicht um die medizinische Wirkung, sondern eher um die Erinnerung an alte Zeiten oder schlicht um den Look, den man sich geben möchte. ” Und so lässt sich ganz nüchtern sagen: Vermutlich wäre die Aufregung nur halb so groß, würde CBD in Löwenzahn stecken.

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